Radio Hazzard of Darkness

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In Extremo - 40 wahre Lieder
02. Oktober 2017

 

IN EXTREMO – seit über 22 Jahren miteinander vereint. Anfangs gemeinsam durch´s Land gezogen über diverse Mittelaltermärkte (damals noch belächelt als Kuriositäten), doch mittlerweile haben sie Kultstatus in Kreisen der Medival-Szene erreicht und sind aus der obersten Liga der deutschen Rockmusik nicht mehr wegzudenken. Wer sich fragt, ob die Band ein „Best of“ Album braucht, der wird überrascht sein, wenn er „40 wahre Lieder“ in der Hand hält und die Taste Play gedrückt hat.

Die Songs der über zweieinhalb Stunden Spielzeit hat man alle irgendwo schon mal gehört. ABER: durch die neu abgemischten Songs bekommt das Album eine ganz andere Qualität. Es ist nicht nur irgendein „Best of“ Album, es verleiht dem Hörer einen Einblick in die Leidenschaft die IN EXTREMO erneut in ihr Lebenswerk gepackt haben. Schon während der ersten Songs fallen mir die Feinheiten des Remasterings auf. Man muss zwar genauer hinhören, doch jedem eingeschworenen Fan, der die Songs unzählige Mal gehört hat, werden diese Detailveränderungen nicht verborgen bleiben. Die Nummer „Herr Mannelig“ wirkt auf mich bodenständiger und ruhiger als die Ur-Version, was dem Song keinen Abbruch verleiht. Auch „Horizont“ mit der Stimme von Marta Jandová (Die Happy) hinterlässt einen sehr positiven Eindruck. Um dem Hit „Liam“ noch eins draufzusetzen, hat man sich Rea Garvey (Reamonn) dazu geholt. Er verleiht dem Song einen Hauch nordischen Rock-Flairs. Doch auch hier gilt: genauer hinhören! Dass sich IN EXTREMO stetig auf ihren bisher erschienen Studioalben (12 an der Zahl) weiterentwickelt haben, kann ich schon nach dem Durchlauf der ersten CD bestätigen.

Noch während die ersten Songs der zweiten CD laufen und meine Blicke durchs Fenster schweifen, erinnere ich mich daran, warum auch ich im Laufe der Zeit eine Sympathie für diese Band entwickelt habe. Die Kunst, uralter Sprachen (wie z. B. Latein und Alt-Gälisch) mit klassischen Rockelementen und Medival Sound zu verbinden ist es nicht allein. Mir fällt wieder bewusst, auf dass der Gesang von Micha einzigartig ist. Mal kratzig, mal spitzig, mal rauchig, mal gefühlvoll, mal düster und mystisch – das alles fügt sich perfekt zusammen. Ich habe großen Respekt vor einer Person, die weiß, wie man mit der Stimme umgeht, hier machen sich die jahrelangen Erfahrungen bezahlt. Dem Song „En Esta Noche“ hat man mit Mägo de Oz (einer spanischen Heavy Metal Band) ein i-Tüfpelchen an spanischem Flair verliehen. Zudem bekommt der Song mit Mägo de Oz einen brettharten Heavy Metal Sound verliehen, der sich in meinem Player mit der Repeat Taste abfinden muss. Ebenso kann sich „Unsichtbar“ mit Mille Petrozza (Kreator) locker durchbeißen. Minimale Veränderungen am Song fordern den Hörer heraus, das Remastering zu durchschauen. Teil 2 des CD Doppelpacks scheint mir wuchtiger, der Beat knallt an der ein oder anderen Stelle heftiger als erwartet. Manche Nummern hinterlassen einen Sound, den ich weniger IN EXTREMO zuordnen würde. So erscheint der Song „Alles schon gesehen“ für mich in einem Pop-Rock lastigen Sound. Was für mich mal was ganz anderes dieser Band ist, die detailverliebte Heraushebung des Sounds hat was Eigenes.

Während ich beim letzten Drittel von Teil 2 des Albums angekommen bin, fällt mir auf, dass ich nicht bemerkt habe, wie schnell zwei Stunden vergangen sind. So lasse ich mit „Gaukler“ die Seele baumeln und genieße die Nummer so laut es geht, man möchte wieder direkt mitgröhlen. Doch „Belladonna“ holt den Hörer schnell wieder raus aus dem Chill-Modus. Hier darf gerockt werden, und zwar eine Spur härter als bekannt. Auch neuere Songs, wie die 20 Jahre Hymne „Loreley“ oder „Sternhagelvoll“ des letzten Albums „Quid Pro Quo“ laden den Hörer auf eine Reise in die Vergangenheit ein. „40 wahre Lieder“ ist nicht nur irgendein „Best of“ Album. Es ist ein Album, welches den Fans wieder aufzeigt, welch kreativen Geschöpfe der Neuzeit die deutsche Musikszene aufleben lassen, indem man immer eine Schippe oben drauf legt und keinen Gedanken daran verlieren lässt, dass IN EXTREMO genug haben. Ich glaube, das eingeschworene Septett wird uns hier und da noch überraschen, bevor die Band demnächst ein weiteres Kapitel aufschlagen wird. Wer nicht genug von IN EXTREMO bekommt, der kommt um dieses Album nicht herum.

Tracklist:
CD1:
01. Neunerle (Remastered 2015)
02. Villeman Og Magnhild (Remastered 2015)
03. Hiemali Tempore (Remastered 2015)
04. Ai Vis Lo Lop (Remastered 2015)
05. Spielmannsfluch (Remastered 2015)
06. Herr Mannelig (Remastered 2015)
07. Merseburger Zaubersprüche II (Remastered 2015)
08. Vollmond (Remastered 2015)
09. Die Gier (Remastered 2015)
10. Omnia Sol Temperat (Remastered 2015)
11. Wind (Remastered 2015)
12. Küss mich (Remastered 2015)
13. Erdbeermund (Remastered 2015)
14. Davert-Tanz (Remastered 2015)
15. Albtraum (Remastered 2015)
16. Rasend Herz (Remastered 2015)
17. Horizont (feat. Marta Jandová) (Remastered 2015)
18. Liam (feat. Rea Garvey) (Gälische Version / Remastered 2015)
19. Singapur (Remastered 2015)
20. Nur ihr Allein (Remastered 2015)

CD2:
01. Sängerkrieg (Remastered 2015)
02. Frei zu sein (Album Version / Remastered 2015)
03. Flaschenpost (Remastered 2015)
04. Sieben Köche (Remastered 2015)
05. En Esta Noche (feat. Mägo de Oz) (Remastered 2015)
06. Zigeunerskat (Remastered 2015)
07. Viva La Vida (Remastered 2015)
08. Siehst Du das Licht (Remastered 2015)
09. Unsichtbar (feat. Mille Petrozza) (Remastered 2015)
10. Sterneneisen (Remastered 2015)
11. Feuertaufe (Remastered 2015)
12. Alles schon gesehen (Remastered 2015)
13. Himmel und Hölle (Remastered 2015)
14. Gaukler (Remastered 2015)
15. Belladonna (Remastered 2015)
16. Loreley
17. Störtebeker
18. Quid Pro Quo
19. Lieb Vaterland, magst ruhig sein
20. Sternhagelvoll

LineUp:
Micha „Das Letzte Einhorn“ Rhein – Gesang, Cister
Sebastian „Van Lange“ Lange – Gitarren, Cister
Kay „Die Lutter“ Lutter – Bass, Trumscheit, Pauke
André „Dr. Pymonte“ Strugala – Harfe, Marktsackpfeife
Marco „Flex Der Biegsame“ Zorzytzky – Marktsackpfeife, Uilleann Pipes, Schalmei, Drehleier
Boris „Yellow“ Pfeiffer – Marktsackpfeife, Schalmei, Nyckelharpa
Florian „Specki T.D.“ Speckardt – Schlagzeug, Percussion

Info:
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Quelle: Hellfire Magazin